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Berühmte Cocktails und ihre Erschaffer

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Hexenelixiere, Wild West Saloons, kubanische Mafia, Glücksspiel und durchzechte Partynächte. Die Welt der Cocktails ist ein Abenteuer für sich. Wer den Beruf des Barkeepers wählt, tut es darum meist auch aus einer gewissen Faszination für den historischen Kult um die Mixgetränke heraus. Und nicht selten wird der Tränke-Profi dabei auch zum Erfinder neuer Drinks. Doch wer steckt eigentlich hinter den beliebtesten Cocktails der Welt? Eine kleine Geschichtsstunde auf dem Barhocker.

Cocktails mischen – ein Traditionshandwerk

Tatsächlich gab es alkoholische Mixgetränke schon während der Steinzeit. Älteste Funde prähistorischer Cocktails sind um die 12.000 Jahre alt. Sie stammen maßgeblich aus Asien, wo die Urzeit-Cocktails meist aus vergorenem Reis, Fruchtextrakten und einem Schuss Honig bestanden. Auch heute noch sind asiatische Länder wie China oder Japan für ihre exquisiten alkoholischen Getränke bekannt. Chinesischer Schnaps und die dazugehörigen Sitten sind ebenso legendär wie japanische Spirituosen á la Reiswein (Sake), Pflaumenwein (Umeshu) oder Branntwein (Shōchū).

In der Antike taten sich dann auch insbesondere die Völker des Mittelmeerraums als Experten alkoholischer Mixgetränke hervor. Vor allem die Griechen mischten wie die Weltmeister und taten daher die ersten Schritte in Richtung heutiger Rezepturen. Dabei tat sich auch ein bis heute für viele Cocktails unerlässliches Pflanzenextrakt als Geheimzutat hervor: Wermut. Abgesehen von Wermut gibt es zahlreiche weitere Cocktail-Zutaten, die in den Top-Cocktails nicht fehlen dürfen.

Hinter den meisten Rezepten der heutigen Klassiker steckt eine besondere Geschichte – oft geprägt von ihrem Entstehungsort und den dort typischen Zutaten. Häufig haben auch berühmte Persönlichkeiten dazu beigetragen, einen Cocktail bekannter zu machen.

Berühmter Cocktail: Mojito
Mojito Cocktail mischen. Minze, Limette, Eis sind die Zutaten und Barutensilien.

Cocktails und Kräuterkunde

Ein bisschen hat es schon was von Hexerei, wenn der Barkeeper die Elixiere braut, die seine Kundschaft er- und anheitern sollen. Mit Gewürzbitter, Whisky, Likör und Fruchtsäften zaubert er magische Farben, Aromen und Wirkungen ins Cocktailglas. Und wenn man ehrlich ist, haben Kräuterhexen (und männliche Heilkundige) auch so einiges zum Handwerk des Cocktail-Mischens beigetragen. Ob Wermut, Absinth, Kräuterbitter oder gehaltvolle Beerensäfte – das Wissen um die Extraktion und Herstellung all dieser Cocktail Komponenten stammt im Grunde aus dem Kräuterfundus des Altertums.

An Cocktail Klassikern wie Gin Tonic lässt sich die ursprüngliche Funktion von alkoholischen Mixturen als heilpflanzliche Extrakte nach wie vor gut beobachten. Der Cocktail entstand nämlich während der Kolonialzeit in Indien. Das Kräutertonikum im Gin Tonic besteht hauptsächlich aus antibiotischen, immunstärkenden und entgiftenden Kräutern wie Ingwer, Koriander oder Wacholder. Sie sollten die Engländer vor den unzähligen Tropenkrankheiten und Tiergiften schützen, die im indischen Urwald lauerten. Queen Elizabeths Gin-Rituale haben also durchaus Methode, denn Gin trinken, ist gesund!

Die Classics unter den Cocktails

Die Bezeichnung “Cocktail” für alkoholische Mixgetränke kam erst relativ spät auf. Dabei gibt es eine Reihe von Erklärungsansätzen zur Entstehung des Begriffs. Einige behaupten, Cocktails seien im Rahmen südamerikanischer Hahnenkämpfe als Event-Getränk entstanden. Als namentliches Vorbild stand hier also der Hahnenschwanz (Cock Tail) Pate. Andere leiten den Begriff von der Bezeichnung des Zapfhahns als „cock“ ab. Aus den Zapfhahnresten, den „tails“ wurden demnach gerne billige Restemischungen kreiert, die der Schankwirt dann vermengt mit Bitter den Kampfzechern als letztes Getränk vor der Sperrstunde servierte.

Viele gehen heute jedoch davon aus, dass der kreolische Apotheker Antoine Amédée Peychaud seine Mixgetränke nach den Eierbechern, in denen sie serviert wurden, als „croquetier“ bezeichnet haben soll. Eine Verballhornung des Trinkgefäßes führte später dann zum Namen Cocktail. Der Apotheker ist für seinen großen Einfluss auf die Barszene von New Orleans bekannt, wo er sich um 1795 niederließ.

Von Peychaud stammen auch einige die ersten klassischen Cocktail-Rezepte, darunter der Brandy Toddy. Der Vorläufer des Sazerac wurde aus Cognac, Wasser, Zucker und Bitter gemischt. Der nach dem Apotheker benannte Peychaud’s Bitters ist hier eine wichtige Zutat für die Originalrezeptur von Sazerac.

Sazerac

Sazerac ist heute einer der Lieblingsdrinks in der Jazz-Szene von New Orleans. Das Originalrezept ist seinerzeit eines der ersten gewesen, bei dem es zu einer besonderen Vorbereitung des Cocktailglases kam. Es wird vor dem Einschenken des Drinks nämlich mit Absinth ausgespült. Daneben sind Rye Whiskey oder Cognac als Basisspirituose von Sazerac praktisch Gesetz. Ein Originalrezept:

  • 6 cl Rye Whiskey bzw. Cognac
  • 1 cl Absinth (zum Ausspülen des Glases)
  • 1 Schuss Bitter (z.B. Peychaud’s Bitters oder Angosturabitter)
  • 1 Zuckerwürfel

Gruppe trendiger Freunde, die Vorspeise in der Speakeasy-Vintage-Bar genießen – Hände junger Leute, die mit Wein und stilvollen Cocktails jubeln – Bearbeitung von radialen lila und grünen Filtern – Fokus auf Hände links unten

Old Fashioned

Der Old Fashioned ist eng mit dem Sazerac verwandt. Einziger Unterschied ist eigentlich, dass man Old Fashioned mit Eiswürfeln, Sazerac dagegen ohne serviert. Auch gibt es von Old Fashioned inzwischen zahlreiche Abwandlungen, bei denen anstatt Roggen Whiskey oder Cognac andere Basisspirituosen hergenommen werden. Beispiele sind:

  • Bourbon Old Fashioned
  • Brandy Old Fashioned
  • Rum Old Fashioned
  • Tequila Old Fashioned

Es gibt auch einige Fruchtvarianten des Old Fashioned, in denen zum Beispiel Liköre, Agavensaft, Ahornsirup oder Zuckersirup als Ersatz für den Würfelzucker im Rezept stehen. Als Garnierung nutzen Barkeeper gerne Cocktailkirschen und Orangenscheiben.

Wer den Old Fashioned erfunden hat, ist heute nicht mehr nachvollziehbar. Erstbeschreiber wie Jerry Thomas (How to Mix Drinks) oder William Terrington (Cooling Cups and Dainty Drinks) legen aber eine Erfindung im 19. Jahrhundert nahe. Laut Albert Stevens Buch “Old Waldorf Bar Days” soll außerdem der “Pendennis Club” in Louisville Kentucky zum Kultstatus dieses Urvaters aller Cocktails beigetragen haben. Der Baarkeeper des Clubs, Martin Cuneo, hat einer Barlegende zufolge dem General James E. Pepper Anfang der 1890er den Drink als besondere Empfehlung des Hauses serviert.

Martini

Auch über die Erschaffer des Martini wird viel spekuliert. Eine Auswahl an möglichen Erfindern haben Anistatia Miller und Jared Brown in einer Top Ten ihres Buches „Shaken Not Stirred“ festgehalten. Grundsätzlich werden die Ursprünge des Martini irgendwo in den USA vermutet. Genaues weiß man aber nicht. Fest steht jedoch, dass der Cocktail spätestens seit dem James Bond Film Casino Royal Kultstatus unter den Cocktail Klassikern erreicht hat. Heutzutage gibt es fernab vom Martini zudem zahlreiche beliebte Leckereien, die im Martiniglas serviert werden.

Dass man die Wurzeln des Martini in Nordamerika vermutet hat einen ganz bestimmten Grund. Eine wichtige Zutat des Drinks ist nämlich Wermut. Ihn setzten gerade nordamerikanische Barkeeper im 19. Jahrhundert gerne ihrem Gin Cocktail zu. Der dürfte gemeinsam mit dem Turf Club und Manhattan und auch einer der Vorläufer des heutigen Martini gewesen sein. Das klassische Martini Rezept im schicken Martiniglas lautet dabei wie folgt:

  • 6cl Gin
  • 2 cl trockenen Wermut (z.B. Noilly Prat)
  • Schale einer Zitronenzeste

Das berühmte James Bond Zitat „Geschüttelt, nicht gerührt“ verrät es bereits. Es gibt für Martini zwei verschiedene Arten der Zubereitung. Ideen und Gin-Rezepte gibt es viele. Entweder geben Sie Gin und Wermut zusammen mit dem Eis in einen Shaker oder in ein Rührglas. Was Ihnen besser schmeckt, können Sie danach selbst entscheiden. Nach dem Mischen wird das Eis aus dem Cocktail entfernt und der Rand des Cocktailglases mit einer Zitronenzeste abgespritzt. Danach kommen Zeste und Martini  gemeinsam ins Glas. Gerne wird abschließend mit einer Olive am Zahnstocher garniert.

Manhattan

Als Vorläufer des Martini ist auch der Manhattan sehr beliebt. Um 1882 läutete er quasi eine neue Ära der Cocktails ein, indem er erstmals eine hochprozentige Basisspirituose mit einer Weinkomponente mischte. Als Erfinder wird der Inhaber der Broadway Bar „Manhattan Inn“, George Black gehandelt. Im Vergleich zum Manhattan ist der Martini die „vereinfachte“ Variante, was die Rezeptur leicht erkennen lässt:

  • 6 cl Rye Whiskey oder Bourbon
  • 3 cl roter Wermut
  • 1 Dash Aromatic Bitters
  • ein paar Eiswürfel

Manhattan wird angerührt und wie Martini mit einer Zitronenzeste abgespritzt. Danach können Sie den Cocktail mit ein, zwei Cocktail Kirschen garnieren.

Cosmopolitan

Den Cosmopolitan mögen vor allem die Ladies sehr gern. Das liegt nicht nur an seiner rosaroten Färbung, sondern auch an seinem fruchtig-süßen Geschmack. Außerdem soll ihn auch eine Dame namens Cheryl Cook erfunden und speziell den Cocktail-Vorlieben der Frauenwelt gewidmet haben. Das Grundrezept enthält Wodka mit Zitronenaroma, Orangenlikör (Triple Sec), Limetten- und Cranberrysaft. Allerdings gibt es daneben noch eine Reihe weiterer Rezepturen. Sie nutzen anstatt Cranberrysaft beispielsweise Himbeersirup, Preiselbeer- oder Granatapfelsaft für die rosarote Farbe. Über das perfekte Cosmopolitan Rezept wird dabei nicht selten hitzig diskutiert.

New Age Cocktails – die fruchtigen Alternativen

Während sich Cocktails der alten Schule wegen ihrem Absinth- und Wermutgehalt eher herb schmecken, zeichnen sich viele moderne Cocktail Klassiker durch ihre besonders fruchtige Note aus. Das liegt einerseits daran, dass es heutzutage ein größeres Angebot an Fruchtlikören und Fruchtsäften gibt als damals. Andererseits stammen viele New Age Cocktails aus südamerikanischen Ländern wie Kuba oder Brasilien. Hier setzt man seit jeher auf exotische Zitrusfrüchte und süßen Fruchtsirup als Cocktail Zutaten. Typische Beispiele dafür sind

  • Caipirinha
  • Cuba Libre
  • Daiquiri
  • Mojito
  • Piña Colada
  • Tequila Sunrise

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Adrian Awadhttps://die-gastro.de
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